Ein Zitat darüber was Žižek zu Paulus sagt:

Slavoj Žižek, der 1949 in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana geboren wurde und an der dortigen Universität Philosophie lehrt, führt seine Auseinandersetzung mit Paulus gleich in drei Büchern: Das fragile Absolute oder warum es sich lohnt, das christliche Erbe zu verteidigen (2000, Verlag Volk und Welt, vergriffen), Die gnadenlose Liebe (Suhrkamp, 2001) und Die Puppe und der Zwerg – Das Christentum zwischen Perversion und Subversion (Suhrkamp, 2003). Im Zentrum seiner Paulus-Deutung steht Christi Tod am Kreuz. Was bedeutet dieser Tod? Es ist die Theorie der »Kenosis« (»Entleerung«), die hier weiterführt. Im Brief an die Philipper schreibt Paulus über Christus: »Als er in göttlicher Gestalt war, dachte er nicht, am Gleichsein mit Gott selbstsüchtig festhalten zu müssen, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tod, ja bis zum Tod am Kreuz« (Phil. 2, 6-8).
 
Warum muss Gott vom Herrn zum Knecht werden? Die Theologen haben die Menschwerdung Gottes meist nur unter dem Aspekt behandelt, was sie für den Menschen bedeutet. Was aber bedeutet die Menschwerdung für Gott selber? Es geht dabei um ein Problem, an dem die monotheistische Religion auf ihrer jüdischen wie auf ihrer muslimischen Stufe laboriert. Gerade weil Gott der Inbegriff der Vollkommenheit ist, fehlt ihm nämlich etwas. Ihm fehlt die Erfahrung des Unvollkommenen, des Mangels und der Endlichkeit. Noch zugespitzter gesagt: Was Gott fehlt, ist die Erfahrung des Todes.
 
Erst in seiner Unvollkommenheit ist der christliche Gott vollkommen
 
Aber wenn Gott den Tod nicht kennt, kennt er dann die Liebe? Was, wenn gerade die menschliche Sterblichkeit und Unvollkommenheit die Bedingung dafür ist, dass wir zur Liebe fähig sind? Aus dieser Paradoxie gibt es nur einen Ausweg: dass Gott seine Ewigkeit und Vollkommenheit preisgibt und Mensch wird und stirbt. Žižek sagt es so: »Es gilt, sich des alten platonischen Topos der Liebe als Eros, der sich allmählich von der Liebe zu einem bestimmten Individuum über die Liebe zur Schönheit eines menschlichen Körpers im Allgemeinen und der Liebe der schönen Form als solcher zur Liebe zum höchsten Guten jenseits aller Formen erhebt, zu entledigen. Wahre Liebe ist genau das Gegenteil, nämlich der Verzicht auf die Verheißung der Ewigkeit zugunsten eines unvollkommenen Individuums.«
 
Anders als der platonische Eros, der ein Aufstieg vom Niedrigen zum Höheren ist, vollzieht die christliche Liebe genau die umgekehrte Bewegung einer Selbsterniedrigung vom Heiligen zum Profanen, vom utopischen Jenseits zum gelebten Hier und Jetzt. Von daher kann Žižek zeigen, was falsch ist am Programm des unendlichen Aufschubs, wie ihn die différance Derridas praktiziert. Sie verhält sich wie ein Liebhaber, der das Ideal einer fernen Geliebten anschmachtet, aber die Vereinigung mit ihr vermeidet, weil er fürchtet, das käme einer Profanierung gleich.
 
Auch in der politischen Sphäre schwärmt Derrida von der »kommenden Demokratie«, scheut aber die harte Arbeit an ihrer Verwirklichung. Er bleibt gefangen in einer Logik des Erhabenen, die über die Unergründlichkeit des Ganz-Anderen meditiert, aber fürchtet, ihm zu nahe zu kommen. Das Christentum dagegen vollzieht den Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen, vom furchterregenden jenseitigen Gott zur jämmerlichen Gestalt Christi, die mit uns solidarisch ist, weil sie unser profanes Leben und Sterben mit uns teilt.
 
Wenn Christus am Kreuz Psalm 22 rezitiert, sein »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« ausruft, dann nimmt Gott selbst die Position der äußersten Gottverlassenheit ein. Von allen Religionen führt allein das Christentum die religiöse Erfahrung bis zu dem Punkt, an dem jeder religiöse Sinnstiftungsversuch scheitert: in der Begegnung mit dem sterbenden Gott am Kreuz.
 
Was bleibt nach dem Tod Gottes? Die Antwort gibt das 13. Kapitel des 1. Korintherbriefs: Was bleibt, ist die Liebe. Es geht wieder um jenen Rest, der »fast nichts« ist, aber durch den allein sich die Rettung vollzieht. Noch einmal Paulus: »Die Liebe hört niemals auf. Prophetisches Reden hat ein Ende, Zungenrede verstummt, Erkenntnis vergeht. Denn Stückwerk ist unser Erkennen, Stückwerk unser prophetisches Reden« (1 Kor. 13,8f). Paulus stellt sich also der Erfahrung, dass Gott in der Welt scheitert, aber er entdeckt gerade in diesem Scheitern etwas, das über es hinausweist. Indem Christus seine eigene Niederlage akzeptiert, erringt er einen Sieg über das Siegen, über das Gesetz dieser Welt, das da lautet: for winners only .
 
Žižek kommentiert: »Nur ein mangelhaftes, verwundbares Wesen ist zur Liebe fähig. Das eigentliche Mysterium der Liebe besteht daher darin, dass die Unvollkommenheit gewissermaßen einen höheren Stellenwert hat als die Vollkommenheit… Vielleicht besteht die eigentliche Leistung des Christentums darin, dass es ein liebendes (unvollkommenes) Wesen in den Rang Gottes, das heißt den der Vollkommenheit schlechthin erhebt. Darauf beruht der Kern der christlichen Erfahrung«.
 
 
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Die Quelle ist ein altbekannter ZEIT-Artikel: Ein Sieg über das Siegen von Rolf Spinnler, auf den mich heute @Trupedo_Glastic aufmerksam gemacht hat.
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Die Rennfahrerin

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Mit Slavoj Žižek auf dem Sofa


Auf die Frage wie er seine Arbeit in einem Satz beschreiben würde antwortete Žižek ungefähr folgendes:

„Hegel mit Hilfe der Psychoanalyse zu lesen und dabei Freuds zentrale Einsicht zu verwenden, den Todestrieb. Mit Hilfe all dessen den deutschen Idealismus lesen, die absolute Negativität.“

(Quelle: Sternstunde Philosophie - Podcast vom 17. Mai 2009)

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 ...die nicht bremst.

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Salome packt aus:

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depone | Daniel Ehniss

vater, theologe, netzgestalter und kaffeeliebhaber.

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